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Schriftsachverständiger / Experte für Handschriften

  Methodik der vergleichenden Handschriftenanalyse

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Handschriftanalyse

1. Physikalisch-technische Schriftuntersuchung

Mit Hilfe physikalisch-technischer Untersuchungsverfahren ist es möglich, für das menschliche Auge nur eingeschränkt oder nicht (mehr) wahrnehmbare physikalische und grafische Merkmale zu erkennen und objektiv zu dokumentieren. Urkundentechnische Untersuchungen werden in der Regel vor der eigentlichen schriftvergleichenden Analyse durchgeführt. Da sie ausschließlich physikalisch-optischer Art sind, sind sie im allgemeinen zerstörungsfrei. Weiterführende chemische Untersuchungen (z.B. Analyse von Kugelschreiberpasten) fallen in den Zuständigkeitsbereich eines Sachverständigen für Urkundentechnik und werden hier nicht durchgeführt.

Physikalisch-technische Analysen können ohne Einschränkungnur anhand von Schreibleistungen im Original durchgeführt werden.

Das Standardgerät des Handschriftexperten ist das Stereomikroskop. Mit diesem Gerät ist es möglich, entscheidungsrelevante Details des Schreibdruckverlaufs, der Strichbeschaffenheit und der Bewegungsführung unter Verwendung verschiedener Beleuchtungsarten (Auf-, Durch- und Streiflicht) exakt zu erfassen.

Zur Untersuchung von latenten Schreibdruckspuren auf einem fraglichen Schriftträger wird der "Electrostatic Detection Apparatus" (ESDA) eingesetzt. Mittels ESD-Verfahren können nicht nur uneingefärbte Schreibdruckrillen sichtbar gemacht werden, sondern damit es ist auch möglich, Vorzeichnungsspuren, Rasuren oder mechanische Tilgungen zu erkennen.

Ein weiteres urkundentechnisches Verfahren ist die Untersuchung des Reflexions- bzw. Fluoreszenzverhaltens von Schreibmitteln im infraroten Spektralbereich (spektralselektive Untersuchung). Je nach Ausgangslage ist es mit dieser optischen Methode z.B. möglich, Vorzeichnungsspuren bei indirekten Pausfälschungen oder (nachträgliche) handschriftliche Zufügungen/Ergänzungen nachzuweisen und zugleich bildlich zu dokumentieren.

2. Schriftvergleichende Befunderhebung und Befundbewertung

Bei der Befunderhebung und Befundbewertung wird der Schriftsachverständige ständig mit dem Problem der Merkmalsübereinstimmung bzw. -abweichung konfrontiert. Da die habituelle Handschrift eines jeden Schreibers innerhalb einer bestimmten Bandbreite mehr oder weniger variiert, stellt sich die im Zusammenhang mit der Bewertung der Befunde wesentliche Frage, wie merkmalsgleich, d.h. übereinstimmend Schriften überhaupt sein können, ohne von derselben Person zu stammen bzw. wie merkmalsverschieden Schriften sein können, um trotzdem noch von derselben Person zu stammen.

Im Rahmen der schriftvergleichenden Befunderhebung wird je nach physikalischer und grafischer Beschaffenheit sowohl das fragliche als auch das Vergleichsschriftmaterial hinsichtlich folgender sieben grafischer Grundkomponenten geprüft und vergleichend gegenübergestellt, wobei der methodische Grundsatz "Vom Allgemeinen zum Speziellen" konsequent verfolgt wird:

  1. Strichbeschaffenheit (Strichspannungen, Strichsicherheit/-störungen, Strich in sich, Bewegungsvor- und -rückschläge)
  2. Druckgebung (Druckstärke, Schreibdruckverlauf, Druckrhythmus)
  3. Bewegungsfluß (Strichgeschwindigkeit, Erfolgsgeschwindigkeit, Schreibeile, Verbundenheit innerhalb und zwischen den Buchstaben)
  4. Bewegungsführung und Formgebung (Linien- vs. Bogenzügigkeit, graphische Vereinfachungen vs. Bereicherungen, Besonderheiten der Formgebung)
  5. Bewegungsrichtung (Abläufe, Inkonsistenzen zwischen Form und Bewegungsführung, Neigungswinkel, Zeilenführung)
  6. Vertikale und horizontale Ausdehnung und Flächengliederung (absolute Größe der Schreibzonen, Größenproportionen, Buchstabenbreite, Abstände zwischen den Buchstaben, Wortabstände, Zeilenabstände, Oben-/Untenrand, Links-/Rechtsrand)
  7. Sonstige Merkmale (nichtschriftliche graphische Besonderheiten, Interpunktion, Besonderheiten der Schreibung, Orthographie)

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© E. Sadorf - www.schriftgutachten.de - Stand: 01.2017